Störung der Sprachentwicklung

Die Sprachentwicklung ist ein komplexes Geschehen, das sich aus folgenden Teilbereichen zusammensetzt:

  • (auditives) Sprachverständnis
  • Erwerb eines Lautsystems
  • Artikulation der Laute
  • Wortschatz
  • Grammatik
  • Spechrhythmus

Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen weichen von der normalen Sprachentwicklung ab.
Je nach Schweregrad der Sprachentwicklungsstörung ist ein Teilbereich betroffen oder gleich mehrere oder alle Bereiche sind auffällig.

Störung des Verständnisses gehörter Sprache

Eine Störung des Verständnisses gehörter Sprache liegt vor, wenn das Kind nicht adäquat auf seinem Alter angemessen strukturierte Sätze reagiert, obwohl das Gehör in Ordnung ist. Das Kind ist z.B. nicht in der Lage, komplexere oder auch kürzere Anweisungen auszuführen, verliert oft den „kommunikativen Faden“ und versteht übergreifende Gesprächseinheiten nicht oder nur unzulänglich.

Störung der Grammatik

Eine Störung der Grammatik (Dysgrammatismus) liegt vor, wenn das Kind Sachverhalte lediglich in sog. Einwortsätzen zum Ausdruck bringen kann, die übliche Wortstellung im Satz verdreht („Ich Hunger haben.“) oder auch die Wörter im Satz nicht richtig verändert („Der Ball liegen unter der Tisch.“). Weitere Inhalte der Grammatik wie Orts- und Zeitbestimmungen (auf, unter, in), die Mehrzahlbildung, die Anpassung der Tätigkeitswörter an die handelnde Person, Vergangenheitsformen und die vier Fälle sowie die Benutzung der Pronomen können beeinträchtigt sein.

Die Therapie der Sprachentwicklungsstörung muss aufgrund der Komplexität von Sprache mehrdimensional aufgebaut werden. Alle beeinträchtigten Bereiche werden behandelt, Grundlagen wie die Hörverarbeitung, die Konzentrations- und Merkfähigkeit werden geschult.

Die Behandlung der Sprachentwicklungsstörung ist u.a. wichtig, um weiteren Problemen wie z.B. der Lese-Rechtschreibschwäche vorzubeugen.

Artikulationsstörungen

Artikulationsstörungen (auch Dyslalien genannt) liegen vor, wenn einer oder mehrere Laute nicht gebildet werden können und daher entweder ausgelassen oder durch Umformung in andere Laute ersetzt werden. Die kindlichen Äußerungen klingen dann undeutlich und sind z. T. so entstellt, dass Personen, die nicht zum direkten Umfeld des Kindes gehören, das Kind nicht verstehen können.

Beispiele

„Suhe“ für „Schuhe“ Ersetzen des /sch/ durch /s/
“Tönig“ für „König“ Ersetzen des /k/ durch /t/
„Bume“ für „Blume“ Auslassen des /l/ bei der Konsonantenverbindung /bl-/

Die häufigste Form einer Aussprachestörung ist das Lispeln. Es handelt sich um eine Schwäche der Zungenmuskulatur und ihrer Bewegungs-Koordination beim komplexen Sprechvorgang. Das Lispeln geht oft einher mit Zahnfehlstellungen, weshalb es für die Sprachtherapeutin oftmals sinnvoll ist, eng mit dem behandelnden Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden zusammenzuarbeiten. Übrigens: Oft treten Störungen der Artikulation mit den im nächsten Absatz erwähnten phonologischen Störungen gemeinsam auf. Hier müssen diagnostisch präzise Unterscheidungen getroffen werden, um einen zielführenden Behandlungsansatz auswählen zu können.

Ist das System der deutschen Laute vom Kind im Rahmen seiner Sprachentwicklung nicht so übernommen worden, dass es mit der Lautauswahl der anderen Sprachteilnehmer übereinstimmt, spricht man von sog. phonologischen Störungen, bei denen die Laute zwar oft prinzipiell artikuliert werden können, jedoch noch nicht passend eingesetzt werden.

Störung des Wortschatzes

Eine Störung des Wortschatzes (bzw. seines Aufbaus) liegt vor, wenn das Kind nicht genügend Wörter zur Verfügung hat, um Dinge, Tätigkeiten, Ereignisse, Eigenschaften, räumliche oder zeitliche Verhältnisse etc. zu benennen und sich über sie sprachlich zu verständigen. Um dieses Manko auszugleichen, beginnt das Kind oft, das fehlende Wort zu umschreiben. Erzählungen klingen sehr unkonkret und bedürfen einiger Nachfragen von Seiten des Zuhörers. Z.T. drückt sich ein zu geringer Wortschatz auch in einer allgemeinen Spracharmut des Kindes aus, die es z.T. gestisch zu kompensieren versucht.
Stehen einem Kind im Alter von zwei Jahren nicht durchschnittlich 50 Wörter zur Verfügung spricht man von einem sog. „Late talker“. Um die für den Wortschatzaufbau günstige Entwicklungsphase des Kindes ausnutzen zu können, ist eine sprachtherapeutische Unterstützung solcher Kinder dringend anzuraten.

Sprachstörung bei Migration

Nicht selten weisen auch Kinder mit einem Migrationshintergrund, die in zwei Sprachen zugleich aufwachsen, einen verzögerten oder inkompletten Wortschatz auf. Sprachentwicklungsverzögerungen bei Zweisprachigkeit sind ein wichtiger Behandlungsschwerpunkt unserer Praxis.